Sozialrassismus

Adelheid Schmitz

Die historischen Erfahrungen zeigen: das Streben nach einer „leidfreien“ Welt war in der modernen Gesellschaft oft verbunden mit sozialrassistischen Denkweisen und Praktiken, die im Nationalsozialismus ihr extremstes Ausmaß erreichten. Die Etikettierung, Diffamierung und Ausgrenzung von Menschen als „minderwertig“, „unnütz“ oder „lebensunwert“ wurde lange vor 1933 u.a. von angesehenen Wissenschaftlern eingeleitet. Vor dem nationalsozialistischen Massenmord an jüdischen Männern, Frauen und Kindern wurden hunderttausende Menschen als „nicht lebenswert“ definiert, viele von ihnen zu Menschenversuchen missbraucht, zwangssterilisiert und ermordet.

Vor diesem Hintergrund wurde in diesem Projekt untersucht und dokumentiert, wie heute mit Menschen umgegangen wird, die keinen Platz (mehr) in der leistungsorientierten Arbeitsgesellschaft haben, die leistungsgemindert, behindert, schwerstkrank sind.
Im Rahmen von Tagungen, Seminaren, work-shops und Publikationen wurden konkrete Beispiele und Hintergründe eines aktuellen Sozialrassismus analysiert, diskutiert und dokumentiert.

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Deutsche verwerten jüdische Nachbarn

 

Betrifft Aktion 3
Deutsche verwerten jüdische Nachbarn

Wanderausstellung mit Dokumenten zur Arisierung

Die Ausstellung ”Aktion 3: „Deutsche verwerten jüdische Nachbarn” dokumentiert erstmals Unterlagen deutscher Finanzbehörden über das Kaufinteresse der NS-Deutschen an jüdischem ”Nachlaß”. Aus den vorgelegten Dokumenten entwickelt sich das Bild einer regelrechten ”Schnäppchenjagd” der Volksgemeinschaft auf das jüdische Eigentum. Der „Nachfrage“ nach jüdischem Eigentum konnte bei weitem nicht nachgekommen werden, es kam zu Klagen seitens der mit der ”Arisierung” betrauten Finanzämter, es werde durch den Massenandrang der Dienstbetrieb gestört. Zweck dieser Ausstellung ist es u.a., auf diesen massenhaften Charakter der Arisierungen hinzuweisen: Die Mehrheit hätte mitgetan, wäre sie dazu in der Lage gewesen.

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Spuren der Vergangenheit

Spuren der Vergangenheit
Diese Wanderausstellung wurde 1987 an der Arbeitsstelle Neonazismus in Kooperation mit dem Verein „Beratung und Weiterbildung in der Friedensarbeit e.V.“ entwickelt. Sie umfasst inzwischen 175 Bücher für Jugendliche ab 12 Jahre, einzelne davon können auch schon von 10-Jährigen gelesen werden. Viele der hier zusammengestellten (Auto)Biographien, Romane, Erzählungen und Sachbücher zum historischen Nationalsozialismus und dem aktuellen Neonazismus wurden gezielt für Jugendliche geschrieben, andere können oder sollten von ihnen gelesen werden. Die Ausstellung eignet sich für Jugendgruppen und Schulen, für Fortbildungsveranstaltungen mit Lehrern und Lehrerinnen, für Bibliotheken, Volkshochschulen und Kirchengemeinden. In Schulen kann die Ausstellung den Unterricht oder Projekttage begleiten. Sie wird von Sachkundigen betreut, die alle Bücher kennen und darüber mit den Besuchern der Ausstellung sprechen können.

Link zur aktualisierten Liste auf der Homepage des Vereins für Friedenspädagogik in Tübingen:

http://www.friedenspaedagogik.de/datenbank/kjns

 

Spuren der Vergangenheit
Zum ersten Teil der Sammlung gehören Bücher über das Leben im Nationalsozialismus. Es sind viele (Auto)-Biographien und Erzählungen sowie einige Sachbücher, die nicht nur die wichtigsten historischen Daten und Details auflisten, sondern von Schicksalen einzelner Menschen berichten. Sie vermitteln Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine konkrete Vorstellung davon, wie im Nationalsozialismus die Erziehung zum Fanatismus, zum Führerkult, zur Kriegsbegeisterung angelegt war und können so den Blick schärfen für Tendenzen zu ähnlichen Entwicklungen. Schilderungen aus der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus rücken das ins Bewusstsein, was für viele damals sichtbar war, die Überreste einer zerstörten Synagoge, ein Lager für Zwangsarbeiter oder Photos mit alten Nazigrößen aus der Lokalpresse. Auf der imaginären Ebene, im Bereich der Bilder und Gefühle werden so Verhaltensweisen vorstellbar, die auch für das eigene Leben eine Rolle spielen. Bücher über die bekannten WiderstandskämpferInnen wie über die „unbesungenen Helden“ können Jugendlichen helfen, Orientierung zu gewinnen. Die jungen LeserInnen können so dazu angeregt werden, über eigene Einstellungen und Verhaltensweisen nachzudenken.

Viele dieser Bücher berichten über Menschen, die als Kinder und Jugendliche ausgegrenzt, vertrieben oder ermordet worden sind. Ein großer Teil davon wurde von Überlebenden des Holocaust geschrieben, die erst nach mehr als 40 Jahren die Kraft fanden, ihre schrecklichen Erlebnisse, aber auch ihre Hoffnungen der jungen Generation mitzuteilen. Einige Publikationen entstanden aus Gesprächen mit Söhnen und Töchtern der Überlebenden, mit Kindern von Menschen, die deportiert und ermordet wurden sowie mit Nachkommen aus Nazifamilien. Sie verdeutlichen das Fortwirken und die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen bis in die Gegenwart.

Der zweite Teil der Sammlung (Neonazismus) enthält Bücher über Neonazismus, Rechtsextremismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Vorurteile, Feindbilder. Meistens geht es um Feindseligkeiten gegenüber Fremden und den alltäglichen Rassismus. Es wird deutlich, wie Menschen anderer Herkunft oder Kultur ausgegrenzt werden, wie Vorurteile und Feindbilder entstehen und welche Wirkung sie haben. Einige Bücher beschreiben aber auch Formen eines humanen Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Lebens- oder Glaubensformen. Sie zeigen Jugendlichen, wie Menschen aufeinander zugehen können.

Nach unseren Erfahrungen bietet eine solche Sammlung Entscheidungshilfen für die erzieherische Arbeit innerhalb und außerhalb der Schule, regt aber auch ganz einfach Eltern und Jugendliche zum Lesen an. Alle Bücher sind im Buchhandel erhältlich. Sie sind mit Altersempfehlungen in einem Katalog aufgeführt und kommentiert. Dieses Verzeichnis ist auch getrennt von der Ausstellung hilfreich, etwa bei einer selbstorganisierten, kleineren Präsentation, beim Aufbau einer Schulbibliothek, bei der Ergänzung von Beständen in Büchereien, für die Vorbereitung von Lesungen.

Der Katalog zur Wanderausstellung (Ria Proske / Adelheid Schmitz (Hg.): Spuren der Vergangenheit …. Ausgewählte Jugendbücher über Nationalsozialismus und Neonazismus, Votum Verlag, Münster 1998) ist kostenlos erhältlich über:

Landeszentrale für politische Bildung NRW, Außenstelle Publikationen
Horionplatz 1, 40190 Düsseldorf
Tel.: 0211/8618-4618; Fax: 0211/8618-4619

Eine aktualisierte interaktive Datenbank zu dieser Sammlung bietet das NS-Dokumentationszentrum Köln an:
Link zur Datenbank